Festspiele Heppenheim

Presse

Viel Spaß mit Kleist und Gaunern

Planer, Organisatoren, Sponsoren und Künstler: Bei der Pressekonferenz zu den Festspielen Heppenheim waren dabei (von links) Norbert Golzer (Stadt Heppenheim), Sabine Richter (Festspiele Heppenheim), Susanne Schäfer (GGEW), Edgar Hörner (Stadt Heppenheim), Uwe von Grumbkow (Schauspieler), Stephan Brömme (Festspiele Heppenheim), Martin Böhnlein und Pia Hänggi (Regisseure).  Foto: Karl-Heinz Köppner
 
Das deutsche Lustspiel „Amphitryon“ von Heinrich von Kleist und die Gaunerkomödie „Auf und davon“ des australischen Autors Peter Yeldham bilden den Rahmen der diesjährigen Festspiele in Heppenheim. Dazu gab es gestern eine Pressekonferenz.

Nein, verstaubt und dröge sei er nicht, dieser Heinrich von Kleist. Und Angst müsse man vor seinen Werken schon gar nicht haben. Im Gegenteil. Ein geradezu „hinreißendes Stück“, verspricht die Schweizer Schauspielerin und Regisseurin Pia Hänggi den Besuchern der aktuellen Heppenheimer Festspiele. Mit „Amphitryon“ bringt die gebürtige Baslerin im Sommer (Premierentermin ist der 6. August) eines der bekanntesten deutschen Lustspiele auf die südhessische Bühne.

Feldherr Amphitryon (Christopher Krieg) kommt nach geschlagener Schlacht nach Hause zu seiner Gemahlin Alkmene (Julia Hansen), die ihm jedoch von der vergangenen Liebesnacht vorschwärmt, unwissend, dass nicht Amphitryon, sondern der Gott Jupiter ein falsches Spiel mit ihr getrieben hat. Ein Spiel um Täuschung und Enttäuschungen. In einem modernen Gewand soll das Stück daherkommen, sich in keiner bestimmten Epoche abspielen, verspricht die Regisseurin.

Die bereits 1969 geschriebene Gaunerkomödie „Auf und davon“ des australischen Autors Peter Yeldham feiert bereits am 23. Juli Premiere. Umgesetzt wird sie von Regisseur Martin Böhnlein, der schon 2013 erfolgreich den „Sommernachtstraum“ bei den Heppenheimer Festspielen inszenierte.

Elisabeth und Josephine, zwei äußerst attraktive Damen, nutzen ihren ganzen Charme, um Männer in aller Welt zu umgarnen. Egal ob Paris, Istanbul oder Tokio – kaum zücken die Schwerenöter ihr Scheckbuch, machen sich die beiden Damen bereits wieder „Auf und davon“. Nur beim charmanten und ausgebufften New Yorker Banker Charlie mag das Konzept der Betrügerinnen so gar nicht aufgehen. Als sich sowohl Elisabeth als auch Josephine zu Charlie hingezogen fühlen, wird schon bald gar nicht mehr so klar, wer mit wem ein falsches Spiel treibt.

Abgerundet wird das Programm bei den Festspielen in diesem Jahr vom Heinz Erhard-Parodist Thorsten Hamer (10. August) sowie vom Glenn Miller Orchestra (25. August). Während Hamer zu den bekanntesten Erhard-Parodisten gehört, bietet das Glenn Miller Orchestra Melodien für Liebhaber der Swing- und Big-Band-Musik der 1930er und 1940er-Jahre.

Im Jahr 2016 sollen die Festspiele sich ein wenig lösen von der Konzentration auf die klassische Komödie, wie bei der Pressekonferenz zu hören war. Bereits für dieses Jahr konnte Stadtrat Norbert Golzer für die Stadt zusagen, dass es während der Festspiele keine baulichen Veränderungen in der Innenstadt geben soll, die der Veranstaltung in die Quere kommen könnten. fl

Echo-Online, 5.3.2015

 

Mit Kleist in die 42. Saison

Die Heppenheimer Festspiele gehen in die 42. Saison. In ihrer mittlerweile achten Regiearbeit für die Freilichtbühne im Kurmainzer Amtshof inszeniert Pia Hänggi den Klassiker "Amphitryon" nach Heinrich von Kleist. Regisseur Martin Böhnlein zeigt die Gaunerkomödie "Auf und davon" des australischen Autors Peter Yeldham. Die Festspiele dauern vom 23. Juli bis zum 5. September.

Zeitlose deutsche Tragikomödie

Für die Schweizer Regisseurin Pia Hänggi ist "Amphitryon" aus dem Jahr 1807 eine der bedeutendsten und zeitlosen deutschen Tragikomödien. Für Heppenheim will sie den Stoff in modernem Look inszenieren. Auf der Bühne des Hoftheaters wird Festspiel-Dauergast Christopher Krieg die Hauptrolle übernehmen und als betrogener Kriegsheimkehrer in ein wahrhaft göttliches Verwirrspiel hineingezogen. Als Diener Sosias ist Martin Dudeck zu sehen. Uwe von Grumbkow spielt den Merkur, seine Frau Susanne Sosias' Gemahlin Charis, Dienerin der Alkmene (Julia Hansen).

 

Das Ensemble für die zweite Produktion sieht ähnlich aus. Krieg, Dudeck und Stegherr fahren in diesem Jahr zweigleisig. Cecile Bagieu ein neues Gesicht im Amtshof. Mit "Auf und davon" aus dem Jahr 1972 serviert Martin Böhnlein eine rasante Komödie um zwei Betrügerinnen, die auf einen nicht minder ausgekochten Banker treffen. Man verbündet sich, doch bald kommt den Ganoven die Liebe dazwischen. "Ein Boulevard-Klassiker mit viel Tempo und Slapstick", verspricht Böhnlein.

Neben den Theaterstücken gastiert in Heppenheim erneut das Glenn Miller Orchestra unter der Leitung von Will Salden (25. August). Flankiert wird das Programm von einer Heinz-Erhardt-Revue mit Thorsten Hamer am 10. August.

Intendantin Sabine Richter kündigte gestern an, nicht an klassischen Komödien im Stile von Goldoni, Shakespeare und Molière kleben zu wollen - auch wenn diese seit über 40 Jahren zur Festspiel-Biografie gehören. "Wir werden künftig noch mehr auf modernere Stücke setzen." tr

© Mannheimer Morgen 05.03.2015

Vier Sahnestücke im Kurmainzer Hof

Auf die Freunde der Heppenheimer Festspiele warten in diesem Jahr gleich vier "Sahnestückchen", die allemal einen Besuch - auch im 42. Jahr seit der Gründung durch Hans Richter - lohnen. Die überaus positive Resonanz auf die Festspielsaison 2014 hat gezeigt, dass Intendantin Sabine Richter bei der Auswahl der Stücke den Geschmack der Besucher getroffen hat. Auch in diesem Jahr setzt sie auf das bewährte Konzept.

Für die Besucher der Heppenheimer Festspiele wird es ein Wiedersehen mit den bekannten Schauspielern Christopher Krieg, Susanne und Uwe von Grumbkow sowie Ulla Wagener geben. Mit „Auf und Davon“ von Peter Yeldham starten die Heppenheimer Festspiele am 23. Juli in die neue Saison. Der 1927 geborene Australier hat mit „Auf und Davon“ eine herrlich überdrehte und turbulente Gaunerkomödie geschrieben. Regie führt Martin Böhnlein, wie 2013 bei dem wunderschönen Stück „Ein Sommernachtstraum.“

Ab 6. August wird „Amphitryon“ von Heinrich von Kleist, eine der schönsten deutschen Komödien, im Theater im Hof im Kurmainzer Amtshof zu sehen sein. Regie führt Pia Hänggi, die nach ihrem großen Erfolg mit „Doppelt leben hält besser“, diesmal einem bekannten Klassiker inszeniert. Auch bei diesem Stück dürfen die Zuschauer auf allerlei Besonderheiten gespannt sein, versprach gestern Nachmittag Regisseurin Pia Hänggi im Rahmen der Pressekonferenz zur Programmvorstellung.

Heinz-Erhardt-Revue

Thorsten Hamer ist am 10. August mit seiner Heinz-Erhardt-Revue „Noch’n Gedicht – heute wieder ein Schelm“ bei den Heppenheimer Festspielen zu Gast. Heinz Erhardt war ein Phänomen. Viele Tausende haben ihn auf der Bühne erlebt und herzlich über seine unvergessene Komik gelacht. Millionen kennen ihn vom Fernsehen, aus dem Rundfunk, vom Kino oder von seinen zahlreichen Büchern. Er war der beliebteste Komiker der 50er- und 60er-Jahre und einer der begabtesten Humoristen des Jahrhunderts. Erhardts spitzbübischer Humor und sein spielend leichter Umgang mit der deutschen Sprache sind bis zum heutigen Tage legendär und unvergessen.

Immer wieder ein Höhepunkt bei den Heppenheimer Festspielen ist das bekannte Glenn Miller Orchestra, „directed by“ Will Salden, das auf der Festspielbühne seine Instrumente auspacken wird. Mit seinem neuen Programm „The History Of Big Bands“ bietet es am 25. August einen besonderen Leckerbissen für jeden Liebhaber der Swing- und Bigband-Musik der 30er- und 40er-Jahre. Schwerpunkt der Show ist natürlich die Musik von Glenn Miller.

Bei der gestrigen Präsentation im Heppenheimer Rathaus waren neben Sabine Richter auch die beiden Regisseure Pia Hänggi und Martin Böhnlein vor Ort, ebenso wie der Schauspieler Uwe von Grumkow.

Vor der Vorstellung der neuen Stücke zog Sabine Richter eine kurze Bilanz der letztjährigen Spiele. Die beiden Stücke „Der fröhliche Weinberg“ von Carl Zuckmayer und „Doppelt leben hält besser“ von Ray Cooney seien vom Publikum hervorragend angenommen worden, die Besucherzahlen waren mit denen des Jahres 2013 (14 000) quasi identisch. In Zeiten, in denen die Theaterbesuche rückläufig sind, wertet Sabine Richter das als einen Erfolg.

Die Besetzungen für die beiden neuen Stücke sind unter Dach und Fach. In dieser Woche wurde schon am Bühnenbild, an der Dekoration und der Ausstattung gefeilt. Ob es in diesem Jahr einen Schirmherrn geben wird, steht noch nicht fest, nachdem im vergangenen Jahr der hessische Ministerpräsident dieses Amt übernommen hatte, aber nicht zu den beiden Premieren erschien.

Der Heppenheimer Stadtrat Norbert Golzer betonte, dass es in diesem Jahr keine baulichen Veränderungen im Kelterhaus des Kurmainzer Amtshofes geben wird, nachdem im Magistrat laut darüber nachgedacht worden war, dort ein Bistro einzurichten. sm

Weinheimer Nachrichten 5.3.2015

Mehr Ellbogenfreiheit im Hoftheater

 
Intendantin Sabine Richter geht mit Carl Zuckmayers Komödie „Der fröhliche Weinberg“ und der Komödie „Doppelt leben hält besser“ von Ray Cooney in die 41. Saison der Heppenheimer Festspiele. Abgesehen von künstlerischen Aspekten: Aufgrund von Sicherheitsbedenken der Behörden muss 2014 im Hoftheater eine komplette Stuhlreihe weichen.
 
Mit den Worten „Wir hatten ein erfolgreiches Jubiläum mit toller Presse und einer schönen Ausstellung, und vor allem blieben die Zuschauerzahlen gegenüber dem Vorjahr gleichbleibend“, blickte Sabine Richter auf die Festspielsaison zurück. Auch die Sonderveranstaltungen seien gut angenommen worden.

Erstmals werden 2014 mit Pia Hänggi und Claudia Wehner zwei Frauen die Stücke inszenieren. Hänggi hat ihre Visitenkarte als Regisseurin im Kurmainzer Amtshof mit „Pension Schöller“, „Die Hose“ und „Der süßeste Wahnsinn“ bereits hinterlassen. Sie inszeniert für die nächste Saison die Komödie „Doppelt leben hält besser“. Geradezu in Zuckmayer verliebt ist Wehner. Sie wird in der Komödie „Der fröhliche Weinberg“ Regie führen, wie am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Rathaus bekannt gegeben wurde.

Um die Kosten zu drücken, werden Rollen doppelt besetzt. Wehner hat drei Weingutsbesitzer zu einem Winzer verschmolzen. Noch sind – unabhängig von diesem Kunstgriff – noch nicht alle Rollen besetzt: Die geeignete Besetzung für eine Frau fehlt noch. „Wir sind auf der Suche, wollen uns aber nicht hetzen“, meinte Hänggi.

Besonders freut sich die Festspielfamilie auf altbekannte Gesichter zum Probenbeginn Ende Juni. Darunter sind Gabriele Welker, Christopher Krieg, Uwe von Grumbkow und Achim Stellwagen. Nicht spielen wird Walter Renneisen, der jahrelang in Hauptrollen zu sehen war. „Für ihn gab es nicht die passende Rolle“, erklärte Richter. Sie freut sich auf ein neues Gesicht: Kevin Silvergieter aus Groß-Gerau.

Zum ersten Mal wird auch der weltbekannte Heppenheimer Organist Franz Lambert auf der Heppenheimer Bühne ein Konzert geben. Soviel verriet die Festspieldirektorin: Einer von Lamberts Gästen wird der Panflötenspieler Ewald Simoni sein. Mit weiteren Überraschungsgästen darf bei einem Lambert-Konzert gerechnet werden.

Ein leichtes Stück mit viel Musik vom Schlager bis zur Opernarie verspricht Wehner mit der Revue „Sternstunden“, aufgeführt vom „Zeitgeist“-Ensemble der Mainzer Festspiele. Die Gruppe hatte im vergangenen Jahr mit der Revue „Nostalgie“ im Amtshof begeistert.

Mehr Ellbogenfreiheit wird es für die Theaterbesucher geben. Die siebte Stuhlreihe wird abgeschafft. Sie fiel Sicherheitsbedenken zum Opfer. Weil die Seitentür, die zur Amtsgasse führt, nur ein Meter statt 1,20 Meter breit ist, bestand das Kreisbauamt auf die Verringerung der Sitzplätze. Bei Gefahr muss eine möglichst schnelle Räumung über diesen Fluchtweg möglich sein. Im Amtshof gibt es damit nur noch 578 statt der bisher 670 Plätze, statt drei Rollstuhlfahrern können nur noch zwei pro Aufführung kommen. „Man muss es positiv sehen. Dafür haben die Zuschauer mehr Platz“, meinte Richter.

Die Festspielgäste dürften sich jedenfalls auf zwei herrliche Stücke freuen. „Die kriegen echte Zuckerl“, sagte Hänggi zum Abschluss. Karten für die Aufführungen gibt es ab sofort an den Vorverkaufsstellen.

Dagmar Jährling Echo Online 21.11.2013

Im Jahr nach dem Jubiläum wird’s turbulent

Heppenheim. Nach der Show ist vor der Show. Kaum hat sich der Vorhang der Heppenheimer Festspiele geschlossen, kaum sind alle Kulissen verstaut, wird schon an der neuen Spielsaison getüftelt, Drehbücher werden studiert und die ersten Darsteller gecastet. Intendantin Sabine Richter ist im Stress - und gleichzeitig erleichtert.

Denn: Die Würfel sind gefallen. Das Programm für die 41. Freiluftsaison im historischen Kurmainzer Amtshof steht. Ein Klassiker mit Suchtfaktor, eine Boulevard-Komödie, in der es drunter und drüber geht, eine "leicht zubereitete" Zeitgeist-Revue mit Musik und lustigen Szenen und ein Heppenheimer Eigengewächs werden ab dem 23. Juli bis Anfang September 2014 auf der Bühne zu sehen und zu hören sein. Und Chefin Richter, die beiden Regisseurinnen Claudia Wehner und Pia Hänggi sowie das noch unvollständige Ensemble sind sich sicher: Es passt - das Publikum wird die Stücke und die Show ins Herz schließen.

"Es muss sich etwas tun auf der Bühne. Es kann ruhig drunter und drüber gehen. Die Leute mögen das", ist sich die Schweizerin Hänggi, die schon oft das Regiezepter im Amtshof geschwungen hat, sicher: "Ich kenne die Bergsträßer inzwischen gut." Und versprochen: Es wird sich auf der Bühne allerhand tun. Zuckmayers turbulentes Volksstück mit Tiefgang und beißender Gesellschaftskritik "Der fröhliche Weinberg" ist wie gemacht für das historische Ambiente mit schnuckeligem Gemütlichkeitsfaktor. Und wer könnte den knorrigen Winzer Gunderloch besser spielen als der Wiederholungstäter Achim Stellwagen, der den rheinhessischen Dialekt geradezu aus dem Effeff beherrscht?

Auch Ray Cooneys Bäumchen-wechsel-Dich-Komödie "Doppelt leben hält besser" hat ausreichend Potenzial zum Publikumsliebling aufzusteigen. Alles dreht sich um einen liebestollen Londoner Taxifahrer, der gleichzeitig mit zwei Frauen verheiratet ist - und damit bestens fährt. Bis ein Unfall das Doppelleben des kleinen Don Juan kräftig durcheinanderwirbelt und dunkle Wolken am Ehehorizont aufziehen.

Dass auch Orgelvirtuose Franz Lambert im Amtshof aufspielt, freut Sabine Richter besonders. Der Weltstar mit Heppenheimer Wurzeln verzaubert seine Fans seit 30 Jahren mit seinen romantischen Melodien. In seiner Heimat ist er hingegen eher selten zu hören. Für sein Jubiläumskonzert am 24. August wird Lambert auch einige Gäste mit bringen - unter anderem den Panflötenspieler Ewald Simoni.

Kein Platz für Walter Renneisen

Warum nicht fortsetzten, was schon beim diesjährigen Festspielprogramm ein Riesenerfolg war? Für Claudia Wehner, Intendantin der Mainzer Kammerspiele, ist das kein Problem. Nach der erfolgreichen Zeitgeist-Revue "Nostalgie" zum 40-jährigen Festspieljubiläum 2013 sind die Nachbarn aus Rheinhessen am 2. September mit den "Sternstunden" zu Gast. Angekündigt wird das Spektakel als amüsante Zeitreise durch menschliche Einsichten und Ansichten, "leichte Kost mit viel Musik und lustigen Szenen".

Das Festspielensemble ist noch nicht vollständig - Richter und ihr Team sind weiter auf der Suche nach geeigneten Darstellern. Fest steht schon jetzt, dass wieder viele alte Bekannte wie Uwe von Grumbkow dabei sein werden. Aber auch einige neue Gesichter. Fest steht auch, dass Walter Renneisen definitiv nicht dabei ist. "Es gibt einfach keine Rolle für ihn", erklärt Hänggi.

Gerlinde Scharf © Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 21.11.2013

Presse Echo "Der süsseste Wahnsinn"

Turbulente, doppelbödige Komödie

Festspiele Heppenheim: „Der süßeste Wahnsinn“ von Michael McKeever begeistert

Wahnsinn, mit welcher Begeisterung das Publikum die Komödie "Der süßeste Wahnsinn" von Michael McKeever aufnimmt. Den Festspielen Heppenheim gelingt mit diesem Stück des amerikanischen Erfolgsautors ein Knüller. Denn McKeever bietet mehr als Boulevardtheater, denn der Autor konfrontiert hinter der heiteren Folie sein Publikum mit einer handfesten Gesellschaftssatire, deren Assoziationen sich nahtlos aufs Heute übertragen lassen. Es geht um Charity, um den schönen Schein, um Manipulation, um Medien und um das Zusammenspiel dieser Elemente hin zu jenem Trugbild, das den Menschen Wirklichkeit vorgaukelt.

Feuerwerk der Pointen

Das turbulente Spiel mit doppeltem Boden wird von Regisseurin Pia Hänggi mit enormem Tempo inszeniert. Sie hetzt die Figuren durch ein Feuerwerk von sprachlichen und physischen Pointen und die Mimen gehen voll mit. Das packt unmittelbar. Worum es geht? Amerika befindet sich 1942 im Krieg, doch dessen Schauplätze sind fern. Die "Jungs" werden eher als übermütige Kerle auf Heimaturlaub wahrgenommen; aber Wohltätigkeit ist angesagt, eine Charity-Lady will Gutes tun und sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Zwei Diven werden engagiert, die sind sich spinnefeind. Denken wir da nicht unmittelbar an die Bilder in einschlägigen Heften, wenn sich die Veranstalterinnen mit klingenden Namen schmücken und - heftig geliftet - ablichten lassen?

Wunderbar überdreht

Susanne von Grumbkow spielt die "feine Dame der Gesellschaft" wunderbar überdreht; die Party ist ihr Lebensinhalt, das Hotel ihres Gatten wird zum Schauplatz. Der ist in der Bühne von Sabine Richter auf eine Suite reduziert, in der die Charaktere aufeinanderprallen, denn wilde Verwechslungen geben der Komödie Würze und Pfiff. Claudia McFadden will residieren, die große, alte Dame des Gesangs - Ulla Wagener gibt ihr ganz in Weiß sportive Dominanz. Doch ihre Gegenspielerin Athena Sinclair rast vor Eifersucht und landet in selbiger Suite - Beatrice Masala, ganz in Schwarz, zeigt die Hysterien einer egomanen Diva. Das Aufeinandertreffen mündet in einer wüsten Kissen-Prügelei, doch das war doch nur ein Fake, um den gegenseitigen Marktwert zu erhöhen. Die Medien machen mit und die Diven freut's. Ja, so werden Trugbilder geschaffen.

Es wundert nicht, dass Hoteldirektor Dunlap total genervt ist, Christopher Krieg nimmt man das ab, denn zwei exaltierte Diven in der nämlichen Suite, das wirft den schlankesten Mann um. Leiden unter den überspannten Stars müssen alle: Claudias Privatsekretär, den Achim Stellwagen in Richtung Danny DeVito profiliert, ebenso wie Athenas Sekretärin Murphy, der Cristina Peteanu liebenswerte Ergebenheit beimischt. Als Persiflage ist die Klatschkolumnistin angelegt, Arzu Ermen macht das prima. Und die gegensätzlichen Hotelpagen werden von Uwe von Grumbkow und Thomas Stegherr witzig ausgespielt. Wie gesagt, ein übermütiger, spritziger Knüller.

Eckhard Britsch© Mannheimer Morgen, Samstag, 10.08.2013

 

Nervenkrisen und knallende Türen

Pia Hänggi inszeniert im Kurmainzer Amtshof die Komödie „Der süßeste Wahnsinn“ und trifft damit voll den Geschmack des Publikums

Amerika 1942. Stress an allen Fronten. Die Suite des Palm Beach Royal Hotels wird zum Nebenkriegsschauplatz. Dort haben sich zwei Diven einquartiert, die sich, so sagt man, bis aufs Blut hassen sollen. Um die Kollision mit allen Mitteln zu verhindern, verwandelt sich ein elegantes Haus in einen aufgewühlten Ameisenhaufen. Hektik überall. Blanke Nerven, die Ereignisse überschlagen sich.

Das ist der Stoff, aus dem der amerikanische Autor Michael McKeever eine Portion süffige Unterhaltung gemixt hat. Die Komödie "Der süßeste Wahnsinn" vereint ausgeklügelte Dramaturgie mit saftiger Komik zu einer raffiniert konstruierten Story, die sich an den amerikanischen Screwball-Komödien der 30er und 40er Jahre orientiert: Slapstick und kultivierter Humor in einem balancierten Kräfteverhältnis. Ein Geschenk, aber auch eine Herausforderung für einen Spielleiter, der dieses fein abgestimmte Pointenuhrwerk auf die Bühne bringen will.

Unvermeidlicher Damen-Crash

In ihrer sechsten Regiearbeit für die Heppenheimer Festspiele hat Pia Hänggi erneut den Nerv des Publikums getroffen. Zwei kurzweilige Stunden lang macht sie den Zuschauer zum Augenzeugen eines wilden Durcheinanders, in dem sich Missverständnisse und Zufälle zu einer Lawine aufbauen, die alles zu begraben droht. Bei den Bemühungen, den damenhaften Crash auf alle Fälle zu vermeiden, geht natürlich alles schief. Sie landen in der gleichen Suite. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Deckung auffliegt.

Das neunköpfige Ensemble im Kurmainzer Amtshof bewältigt das kompositorisch anstrengende Stück mit Bravour. Da fliegen die Türen auf die Sekunde genau in die Angeln, sämtliche Auf- und Abgänge sind millimetergenau durchgestylt. Die Choreografie des Stücks verlangt hohe Präzision, die möglichst zufällig aussehen muss. Andernfalls wirkt es entweder zu steif oder zu schludrig. Und das wäre der Tod der amüsanten Geschichte um das kollektive Bemühen darum, zwei Menschen aneinander vorbei zu organisieren.

Die Geschichte selbst ist schnell erzählt: Den wohltätig-schrulligen "Palm Beach Ladies für die Einheit" ist es gelungen, die zwei großen Diven des Showgeschäfts für eine Benefizveranstaltung zu gewinnen. Im Luxus-Hotel werden Leinwandstar Athena Sinclair und Stimmwunder Claudia McFadden bei einem glamourösen Gala-Abend auftreten, um Spenden für die Jungs an der fernen Front einzutreiben. Sinatra kommt auch.

Doch den beiden Hollywoodgrößen reist ihr Ruf voraus: Sie gelten als Erzrivalinnen und können einander nicht ausstehen. Hotelpersonal und Entourage müssen also peinlich darauf achten, dass sie sich nicht persönlich begegnen.

Krieg brilliert als Hotelchef

An den ständig wechselnden Fronten kämpfen die Hotelpagen Francis und Otis, Athenas gutherzige Privatsekretärin Murphy und der folgsame Mr. Pippet, der für Claudia nicht nur Termine managt, sondern auch ihr sensibles Schoßhündchen Mr. Boodles Gassi führt. In der Lobby läuft gleichzeitig alles aus dem Ruder. Der Orchesterleiter schließt sich auf der Toilette ein, es brechen Feuer aus, betrunkene Marinesoldaten springen in den Pool. Irgendwann fliegt auch Mr. Boodles vom Balkon. Und mittendrin wittert die Klatschkolumnistin Dora del Rio die Story ihres Lebens.

Eine hervorragende Wahl ist Christopher Krieg als hektischer Hotelchef, der den Eklat an jeder Ecke kommen sieht ("Wir werden alle sterben!") und sein zerfetztes Nervenkostüm mit improvisierten Yogaübungen kitten will. Immer kurz vor dem Infarkt muss der hochgradig transpirierende Gastgeber die Situation kontrollieren und die Ticks der Ladies bedienen. Ein Drahtseilakt mit Blutdruckgarantie. Denn ob rote oder weiße Rosen: Dornig sind sie beide. Ulla Wagener rümpft als snobistische wie latent gewaltbereite Sängerin chronisch das Näschen, und Beatrice Masala stöckelt als männermordender Bühnenstar durch die Präsidentensuite. Mademoiselle schnurrt gern, kann aber auch kräftig zubeißen.

Bei ihrem Duell zeigen die Showgirls weitere Talente: Selten wurde so viel gesungen im Amtshof. Dafür spendierte das Premierenpublikum wiederholt Szenenapplaus. Das narzisstische Diven-Duo harmoniert, privat sind Masala und Wagener gut befreundet. Und auf der Bühne zickig genug, um den Laden auf Trab zu halten.

Auch die anderen Rollen sind glänzend besetzt: Allen voran Achim Stellwagen als gehorsamer Promi-Dackel mit Fiffi ("Willkommen in der Hölle") sowie Uwe von Grumbkow als widerstandsfähiger Page, der mitten im Chaos seine alte Liebe Murphy (Christina Peteanu) wiederfindet. Arzu Ermen wird als lästige Sensationsreporterin meistens im Schrank weggeschlossen. Susanne von Grumbkow überzeugt als aufdringliches Society-Goldstück Osgood, die um ihre Stars herumscharwenzelt und dem Hotelchef die letzten Nerven raubt. Als zweiter Page wird Thomas Stegherr von Dunlap auch mal die Wand geschmissen, zwischendurch darf er Autogramme holen und vor dem Staraufgebot in Deckung gehen.

Eine mustergültige Farce

Souverän rennt das Ensemble durch die eng gestrickte Szenenfolge. Alles klappt wie am Schnürchen. Maßarbeit. Die Handlung wird immer schneller und kulminiert schließlich im Zusammentreffen der Streithähne, das sich dann doch etwas anders gestaltet als erwartet.

"Der süßeste Wahnsinn", in Deutschland wenig gespielt, ist legere Unterhaltung pur. Wie geschaffen für das Hoftheater: Komisch, tempogeladen und bis in die Haarspitzen perfekt getimt. Eine mustergültige Farce mit starken Figuren, zündenden Gags und dem eleganten Charme klassischer Hollywood-Komödien. Eine gelungene Inszenierung, die zeigt, dass Boulevard auch Leistungssport einiges gemeinsam haben.

Thomas Tritsch© Bergsträßer Anzeiger, Samstag, 10.08.2013

 

Männer am Rande des Herzinfarkts

Zickenkrieg an der Heimatfront: Boulevardspaß „Der süßeste Wahnsinn“ in Heppenheim

Nach dem Klassiker „Sommernachtstraum“ bietet die zweite Produktion der Heppenheimer Festspiele einen Boulevardspaß: „Der süßeste Wahnsinn“ ist ein Versteckspiel verfeindeter Diven im Hotel.
 
Die Heimatfront verläuft quer durchs Palm Beach Royale Hotel. GIs haben Zimmer verwüstet, sie campieren in der Lobby, machen Lagerfeuer am Pool und springen aus dem vierten Stock ins Becken. Und die Marieninfanterie wird auch bald eintreffen. Leider ist davon auf der Bühne der Heppenheimer Festspiele nichts zu sehen. Michael McKeevers Komödie „Der süßeste Wahnsinn“ spielt in der Präsidentensuite, wo die Sturmgeschütze für den großen Zickenkrieg heranrollen und gleichzeitig Friedenstruppen des Personals Störmanöver üben. 

Die verfeindeten Diven Athena Sinclair und Claudia McFadden sollen für die Soldaten singen, die im Jahr 1942 gerade auf Heimaturlaub vom Kampf gegen Hitler sind. Natürlich landen sie im selben Apartment, aber in unterschiedlichen Schlafzimmern. Die Bühne ist das Niemandsland, das zum Schlachtfeld werden könnte.

Nach 45 Minuten: Feuer frei für die Farce

„Suite Surrender“ (Kapitulation in der Hotelsuite) klingt da deutlich schmissiger und sinnvoller als der deutsche Titel. Denn der Wahnsinn, der in diesem Stück ja angeblich waltet, präpariert sein Minenfeld doch sehr generalstabsmäßig. Das braucht seine Zeit. Nach einer Dreiviertelstunde sind in Pia Hänggis Inszenierung bei den Heppenheimer Festspielen alle Figuren in Stellung gebracht. Dann heißt es: Feuer frei für die Farce! Doch als die Sache gerade Schwung hat, kommt die Pause und nach dieser Waffenruhe noch ein halbes Stündchen Rückzugsgefecht. In einem Zug durchgespielt, hätte der Witz gewiss mehr Durchschlagskraft. Aber der Bergsträßer Wein will eben auch noch verkauft sein, und das Premierenpublikum am Donnerstag im Kurmainzer Amtshof ist es auch so zufrieden, applaudiert lange und rhythmisch.

Dieses Boulevardstück passt dramaturgisch durchaus ins Programm der Festspiele, die ja sonst meist Komödienklassiker auf dem Spielplan haben. Schließlich ist Michael McKeevers „Wahnsinn“ an Stücken von Feydeau und Labiche ebenso orientiert wie an Goldoni und Molière. Die Konstruktion ist bei den Pointen-Maschinen des französischen Lustspiels abgeschaut. Die Diener-Figuren im Dilemma zwischen Pflicht und Liebe haben ihre Vorfahren in der Commedia dell’Arte. Beides fällt nicht auf den ersten Blick auf, denn McKeever deckt den Mechanismus der Farce zunächst mit Nostalgie und Glamour ab.

Namen wie Frank Sinatra, Cary Grant und Alfred Hitchcock schwirren durch den Raum, als die Diven kommen. Ulla Wagener trägt Hosenanzug mit Schlips und gibt als Claudia McFadden den dominanten Marlene-Dietrich-Typ ganz in Weiß, wozu auch weiße Rosen und weißes Hündchen gehören. Schwarz-rot kommt die chronisch amouröse Athena Sinclair (Beatrice Masala) daher, die allenthalben Porträts ihrer eigenen Göttlichkeit im Zimmer verteilt. Die Star-Rollen sind strahlend besetzt.

Das Personal darf nun ständig Bilder ab- und Rosen reinräumen, Koffer hin- und herschleppen, je nachdem, welcher Dame gerade die Bühne gehört. Und schließlich fliegt auch noch das Hündchen aus dem Fenster. Hinzu kommt eine Klatschreporterin, die immer dann im Schrank verschwindet oder hinter einer Tür k.o. geschlagen wird, wenn sie was enthüllen könnte. Enthüllt wird dabei vor allem die mechanische Konstruktion dieser Komödie, deren Scharniere und Zahnräder Pia Hänggi gut geschmiert hat. Das Timing ist präzise, wenn auch das Tempo noch etwas höher sein könnte.

Neben die glamourösen Ladys, die „Lili Marleen“ und „God bless America“ singen dürfen, treten die Herren als Tölpel mit Herz, aber ohne Nerven. Generaldirektor Dunlap fürchtet panisch um seinen Job, was Christopher Krieg mit zunehmend wirrem Haar und irrem Blick ausspielt. Der knuddelige Hotelpage Francis (Uwe von Grumbkow) liebt Athenas gouvernantenhafte Privatsekretärin, sein Rosenstrauß aber landet beim Privatsekretär von Claudia, der sich daraufhin vom falschen Verehrer verfolgt fühlt. Achim Stellwagen gibt diesen pummeligen Mister Pippet als männliche Spinatwachtel, was an diesem Abend der verlässlichste Jux ist.

Natürlich müssen die beiden Dickerchen irgendwann in verfänglicher Lage auf dem Sessel übereinanderpurzeln. Michael McKeever lässt da nichts aus. Und so feiert seine Farce zwar die clevere Grazie der großen Damen, die Schrittmacher aber sind in Heppenheim die Herren zwischen Hektik und Hysterie am Rande des Herzinfarkts.

Darmstädter Echo 10.8.2013

Die Menschenmaschine im Schleudergang

Schlägt ein wie ein Kugelblitz: Achim Stellwagen (Mitte) als Mr. Pippet in Danny DeVito-Manier, hier mit dem gestressten Hoteldirektor Dunlap (Christopher Krieg) und Promizicke McFadden (Ulla Wagener). Foto: Festspiele

Drunter und drüber geht's in der turbulenten Komödie "Der süßeste Wahnsinn" von Michael McKeever (Jahrgang 1962), die bei den Festspielen Heppenheim Premiere hatte. Während der Inszenierung von Pia Hänggi herrscht Star-Zickenalarmstufe Rot. Im Luxushotel Palm Beach Royale in Florida torkeln Angestellte wie Gäste 1942 am Rande des Nervenzusammenbruchs entlang. Grund dafür sind jedoch nicht die Katastrophen des Zweiten Weltkriegs im fernen Europa, sondern eine Art Show-Armageddon: die unmittelbar drohende Kollision zweier Todfeindinnen, zweier exaltierter Gesangsdiven, bei deren Zusammentreffen die Apokalypse kurz bevorsteht.

Bald erreicht die normalerweise gut geölte Menschenmaschine des Hotels den Schleudergang. Die Nobelherberge befindet sich ohnehin im Ausnahmezustand. Denn heute ist die gesamte Hotelanlage für eine patriotische Benefiz-Gala zugunsten der US-Soldaten gemietet, am Abend sollen die beiden legendären Topacts Claudia McFadden und Athena Sinclair auf der Bühne die GIs mitreißen. Die US-Boys versetzen das Palm Beach Royale aber schon zuvor in Aufruhr: Aus der Lobby wird ein brenzliges Militärmanöver gemeldet, Soldaten stürzen sich vom Balkon in den Pool.

Das alles ist aber noch gar nichts gegen den Zündstoff, der sich in der Präsidentensuite des Hauses gefährlich ballt - denn diese wird trotz aller Verhinderungsstrategien von beiden Diven bezogen (Bühnenbild: Sabine Richter). So nimmt das Unheil seinen Lauf. Durch die heftige Nutzung von Türen und Schränken gewinnt das Bühnengeschehen an Fahrt und kommt infolge aberwitziger Verwechslungen sowie schriller Beinahe-Kollisionen so richtig auf Touren.

Für ein starkes Spannungsfeld - in dem es zwischendurch auch erotisch knistert - sorgen die beiden so stimmkräftigen wie gegensätzlichen Promizicken (Musik: André Linke). Ulla Wagener spielt Claudia McFadden, Amerikas geliebte große alte Dame des Gesangs, als kühles blondes Gift im weißen Outfit (Kostüme: Pia Hänggi, Sabine Richter); in ihren herben Starallüren denkt Claudia schon mal daran, nervendes Hotelpersonal vom Zimmerbalkon zu schmeißen. Dagegen setzt Schauspielerin Beatrice Masala die dunkel-rassige Rivalin Athena Sinclair - berühmt auf Bühne und Leinwand -, die die Angestellten des Palm Beach Royale ganz anders ins Visier nimmt.

Hin und her gerissen zwischen diesen beiden heißkalten Polen sind die übrigen Figuren des Stücks. Das gilt vor allem für den Generaldirektor des Hotels Bernard S. Dunlap. Darsteller Christopher Krieg gibt ihn als langes gestresstes Elend, das den beiden Krieg führenden Damen an vorderster Front ausgeliefert ist und von ihnen ordentlich durch die Mangel gedreht wird - da helfen auch Dunlaps Spontan-Meditationen nicht wirklich weiter. Und kaum besser ergeht es den zwei Hotelpagen Francis und Otis. Während Uwe von Grumbkow als rundlicher Francis auch in den stärksten Turbulenzen seinen schwejk-schen Witz und Charme nicht verliert, kriegt Tho-mas Stegherr als großäugig-schlaksiger Otis, der trotz seiner Größe ganz unten in der Hackordnung steht, immer wieder eins übergebraten.

Für viel Situationskomik im Stil eines Danny DeVito sorgte Achim Stellwagen als Claudia McFaddens Privatsekretär Mr. Pippet, ein klasse Irrwisch und Kugelblitz, der so richtig einschlug. Aber auch die nur scheinbar so zugeknöpfte Murphy Stevens (Cristina Peteanu als Athena Sinclairs Assistentin), die grotesk nach Skandalen hechelnde Klatschkolumnistin Dora del Rio (Arzu Ermen) und die überengagierte Benefiz-Sponsorin Mrs. Everett P. Osgood (Susanne von Grumbkow) sorgten für viel Spaß und Spannung.

Insgesamt zum 40-Jahr-Jubiläum der Festspiele Heppenheim ein gelungener unterhaltsamer Sommerabend in dem mit einem Zeltdach geschützten und bewirtschafteten "Theater im Hof", im Kurmainzer Amtshof. Dort konnte man den rasanten Florida-Trip, der übrigens noch ein süßes Geheimnis der beiden mysteriösen Frontfrauen barg, zu Bergsträßer Wein in vollen Zügen genießen.

Heribert Vogt rnz 10.08.2013

 

Zickenkrieg im Hotel

Michael McKeevers Komödie „Der süßeste Wahnsinn“ feierte bei den Heppenheimer Festspielen eine vergnügliche Premiere.

Alarmstufe Rot in der Präsidenten-Suite eines heruntergekommenen Hotels im kriegsbelasteten Amerika der vierziger Jahre: Zwei angeblich verfeindete Sängerinnen haben sich parallel dort eingemietet und müssen nun von einem begreiflicherweise recht nervösen Hoteldirektor nebst Dienerschaft voneinander ferngehalten werden.

„Da ziehe ich doch lieber in den Krieg nach Europa“, seufzen die Pagen nicht nur einmal, während sie sich mit weißen Schoßhündchen, ebenso weißen langstieligen Rosen oder Selbstporträts der Sängerinnen zu arrangieren haben - alles exzentrisches Zubehör narzisstischer Künstlerpersönlichkeiten.

Die Komödie des Amerikaners Michael McKeever mit dem etwas unverbindlichen Titel „Der süßeste Wahnsinn“ bietet solide Unterhaltung und eignet sich deshalb für eine Aufführung im Heppenheimer Amtshof vortrefflich. Nach Shakespeares „Sommernachtstraum“ als Klassiker nun also diese „Klamotte“ im besten Sinne des Wortes.

Auf der Bühne wimmelt es vor überzeichneten Charakteren. Christopher Krieg scheint die Rolle des Hoteldirektors auf den Leib geschneidert. Gleichwohl erleidet auch der ansonsten mit allen Wassern gewaschene Gastronom beim nervenzehrenden Auftritt der beiden Diven Claudia McFadden (Ulla Wagener als erstaunlich jung gebliebene „große alte Dame des Gesangs“) und Athena Sinclair (Beatrice Masala mit karibischem Touch) diverse Kreislaufzusammenbrüche. Und auch der rundliche Mr. Pippet (ein mit viel Komik gesegneter Achim Stellwagen) gerät mehr als einmal aus der Fassung. Ja, der Zickenkrieg im Hotel steht dem Weltkrieg kaum nach!

Auf der Bühne fliegen reichlich Türen. Zu allem Überfluss hat sich auch noch eine Klatsch-Reporterin eingeschlichen, die mit der zotteligen Arzu Ermen ebenso pointiert besetzt wurde wie Susanne von Grumbkow als Mrs. Everett P. Osgood, „Dame der Gesellschaft“. Bleiben noch die beiden herzigen Hotelpagen Francis (Uwe von Grumbkow) und Otis (Thomas Stegherr), die in knallroten Uniformen für manchen Trubel gut sind. Am Ende badeten Regisseurin Pia Hänggi und Sabine Richter von der Intendanz im Jubel des Publikums.

Artikel vom 13.08.2013, 03:00 Uhr (letzte Änderung 13.08.2013, 02:55 Uhr)

 

Artikel: http://www.fnp.de/nachrichten/kultur/Zickenkrieg-im-Hotel;art679,600332

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RNF live

Pressestimme zum "Glenn-Miller-Orchestra"

Bigband-Begeisterung bis zur Ersatzbank

Festspiele Heppenheim: Will Saldens Glenn Miller Orchestra überzeugt mit perfektionistischer Show aus einem Guss im vollen Haus

Bergstraße. Im Amtshof wurden sogar Ersatzbänke aufgestellt. So groß war das Interesse am Konzert des Glenn Miller Orchestras, das am Montag ein weiteres Mal im Rahmen der Heppenheimer Festspiele gastierte. Das Publikum hörte Bigband-Klassiker in Original-Arrangements sowie selten gespielte Swing-Raritäten aus dem Musikarchiv. Eine perfekt arrangierte Show aus einem Guss, die mit langem Applaus kommentiert wurde.

Mit Millers drittem Nummer-eins-Hit "Moonlight Serenade" eröffnete die Band den Abend, der in der ersten Hälfte vom auf das Zeltdach prasselnden Regen überhaupt nicht beeinträchtigt wurde. Die 16-köpfige Formation brachte genug Saft und Dynamik auf die Bühne, um das Wetter zu übertönen. "Zu laut", wie Orchesterchef Will Salden sich beim Publikum vorauseilend entschuldigte, war es in keiner Sekunde. Eine Bigband muss auch etwas von einem Big Bang, einem Urknall haben, um gut zu sein. "Wir sind ja kein Streichquartett", fügte der Leiter wahrheitsgemäß hinzu.

Im Dinnerjackett saß Salden am Piano und moderierte das Konzert. Die Hauptrolle überließ er seinen Musikern, die bei Instrumentaltiteln wie Songs souverän blieben. Mitgebracht hatten sie nicht nur typische Glenn-Miller-Stücke wie "In The Mood" oder eben "Moonlight Serenade", sondern auch berühmte Kompositionen von Woody Herman, Count Basie und Harry James.

Das von Ella Fitzgerald bekannte "Shiny Stockings" war die Einführung von Sängerin Ellen Bliek. Die 29-Jährige überzeugte mit Energie und Volumen. Mit "I've Heard That Song Before", einst vom Harry James Orchestra mit Helen Forrest interpretiert, bot die Sängerin eine glänzende Performance, flankiert von Pascal Haverkate an der messerscharfen Trompete. Mit hervorragenden Soli aus der Blech-Fraktion fegte das selten gehörte "Dinah" durch den Amtshof - einer der Höhepunkte des ersten Programmteils mit fesselnden Posaunen- und Saxofonspitzen.

Auch wenn sich die Sterne in diesem Moment hinter dunklen Wolken versteckten, inszenierte Ellen Bliek einen charmanten "Stairway To The Stars", bevor es mit Harry James' "The Trumpet Blues" mit vier in Reihe geschalteten Instrumenten an der Bigband-Front richtig zur Sache ging.

Flott, zuckersüß und feinherb

Den "Moonlight Cocktail" servierten die Moonlight Serenaders - ein Quintett aus Bliek und vier männlichen Sängern inklusive Will Salden, das als ordentliches Vokalensemble eine nette Zugabe darstellt. Stimmlos, dafür aber umso filigraner und hoch dynamisch, ertönte "Tuxedo Junction", das von Glenn Miller nicht geschrieben, aber bekanntgemacht wurde. Und bei Ellen Blieks flauschiger Version von "I've Got My Love To Keep Me Warm" wünschte sich mancher eine ähnlich hilfreiche Hand inmitten eines kühlen Lüftchens im Heppenheimer Amtshof. Das von Doris Day mit Paul Weston populär gemachte "Ain't We Got Fun" war ein flotter Nachbrenner der ersten Halbzeit.

Weiter ging es zwischen zuckersüß ("Somewhere Over The Rainbow") und feinherb ("One O'Clock Jump") mit einer Band, die jetzt richtig warmgelaufen war. Den allzu kühlen Perfektionismus der vergangenen Jahre hat das Orchester etwas herunter gefahren: Die kontur- und blutarme Makellosigkeit, der Livezauber und Herzblut geopfert wurden, ist nur noch stellenweise spürbar. Die Musiker wirken insgesamt befreiter und weniger steif als beim 2009er Gastspiel. Bei rund 200 Auftritten im Jahr ist die Gefahr einer sich einschleichenden Routine natürlich höchst akut.

Will Salden und seine Glenn-Miller-Gedächtnisformation treffen den Nerv ihres Publikums. Nach Woody Hermans "Four Brothers" und dem knisternden "Cheek To Cheek", gesungen vom Chef, hatte die Band ihr Auditorium endgültig erobert. Auch auf den Ersatzbänken rutschte man taktvoll hin und her. Ein Konzert wie aus einem Guss. Nicht gerade ein raffiniertes Überraschungsmenü, aber ein bis in die Beilagen perfekt zubereiteter Klassiker der zeitlosen Art.

Thomas Tritsch© Bergsträßer Anzeiger, Mittwoch, 14.08.2013

 

Da blitzt das Blech

Glenn Miller Orchestra in Heppenheim

Ist ja gar nicht so einfach, sich "Glenn Miller Orchestra" nennen zu dürfen. Dazu benötigt man eine Lizenz. Der gebürtige Niederländer Wil Salden hat sie rechtzeitig erworben und tourt seit 1985 mit dieser Bigband durch Europa. Das macht er gut und zielgruppengerecht, denn jenes Publikum, das mit Sweet und Swing seine ersten Tanzstundenerfahrungen gemacht hat, ist jung genug geblieben, um gespannt, gebannt und begeistert mitzugehen.

So auch in Heppenheim, im ausgebuchten Amtshof, wo das Blech blitzt, die Sängerin einen auf Ella Fitzgerald macht und Bandleader Wil Salden mit der in Jahrzehnten angesammelten Erfahrung den attraktiven Sound steuert. Raffiniert ist er auch mit seinem Programm, denn auf "In the Mood", den berühmtesten aller Miller-Titel, müssen die Hörer bis kurz vor Schluss warten, aber auch zuvor passt die Mischung aus hitzigen Hits und Kaminfeuer-Träumereien perfekt.

Im schulterfreien Schwarzen

Um den Flugzeugabsturz des Namensgebers ranken sich Legenden. Sicher ist, dass seine Musik bei der Truppenbetreuung bestens ankam. Vor vielen Jahren ließ Wil Salden seine Sängerin denn auch in Uniform antreten, in Zeiten von Lauschattacken passt allerdings das schulterfreie Schwarze besser. Wir haben uns also vom großen Bruder aus Übersee gelöst, die Jugend mag lieber Hip-Hop, aber Wil Salden und sein Orchester bleiben sich und den Heroen der 40er Jahre treu. Mit gelegentlichen Querverweisen auf Titel von Benny Goodman, Harry James, Count Basie erinnert der Auftritt daran, dass Glenn Miller kein Solitär war, sondern mit vielen anderen die Inkarnation eines Lebensgefühls.

Nach über 4000 Konzerten seit Bestehen könnte der Heppenheimer Auftritt vielleicht etwas abgeschlafft wirken? Routiniert gewiss, aber mitreißend nach wie vor und insofern ein musikalisches Highlight zwischen "Sommernachtstraum" und "süßestem Wahnsinn". BE

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 14.08.2013

Presse Stimme zu "La vie, l'amour"

Legende des Chansons lebt weiter 

Ach, ist es nicht so, dass uns große Frauenschicksale faszinieren und bis tief ins Herz hinein berühren? Anna Karenina, Sisi, Königin Luise, Medea, Kassandra, Diana - sie alle litten schicksalhaft. Unter ihrem Ich oder unter äußeren Umständen - egal, Hauptsache, sie litten. Nur dann können wir mitleiden. Edith Piaf, der Spatz von Paris, die Chanson-Sängerin des abgelaufenen Jahrhunderts, gehört ebenso wie ihre Kollegin im Klassik-Fach, Maria Callas, in diese Kategorie.

Wunderbar, wenn die im Habitus ihrem Star ähnelnde Barbara Krabbe bei den Heppenheimer Festspielen auf den Spuren der großen, innerlich zerrissenen Französin wandelt. Mit einer angenehmen Mischung aus Chansons und Erläuterungen zum von Drogen, Alkohol und vergeblicher Liebesmüh' gepflasterten Lebensweg der Piaf gestaltet sie einen ansprechenden Abend.

Authentischer Gesang

Aber sie drückt dabei nicht auf die Tränendrüse, sondern verweist auch auf die freiwillig-unfreiwilligen Paradoxien und schnoddrigen Erkenntnisse jener Kultfigur in Sachen Männer: Von einem "Misthaufen" - Liebhaber habe sie nicht einmal den Namen behalten. Also dürfen wir, selbstkritisch, schmerzhaft schmunzeln.

Singen kann Barbara Krabbe auch. Im ersten Teil scheint sie sich noch ein wenig an das spezielle Timbre der Piaf heranzutasten, aber immer mehr wirkt der Krabbe-Gesang in steter Annäherung an Piafs spezielle Aura authentisch. Ans Ende stellt sie, gemeinsam mit ihrer vierköpfigen Combo, die Summe des Lebens "Non, je ne regrette rien" als Epitaph auf eine selbstzerstörerische Vita. Da darf dann schon ein Äuglein feucht werden.

Zuvor aber hat sie bekannte und weniger bekannte Chansons, von "La vie en rose", aus der schon die Dietrich, Kaas und Lemper Honig saugten und saugen, bis hin zu "Monsieur Saint-Pierre" vorgestellt. Und im charakteristischen Rhythmus vieler Musette-Walzer kann das Publikum von Paris träumen, wo es angeblich so viel entspannter zugeht als in Heppenheim.

Noch so eine Legende; als Zugabe kam bei Krabbe natürlich "Milord" ins Spiel.

Eckhard Britsch© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 15.08.2013

Presse Echo "Ein Sommernachtstraum"

Shakespeare ganz oben

Eine der großen Komödien der Weltliteratur ist schon über 400 Jahre alt und dennoch frisch und unverbraucht. "Ein Sommernachtstraum" heißt der Knüller von William Shakespeare, mit dem die Festspiele Heppenheim ihre Jubiläumssaison eröffnen, denn sie bestehen seit 40 Jahren. Nicht nur so, sondern richtig gut. Dem Genius Loci fühlt sich auch Regisseur Martin Böhnlein verpflichtet, der sich als Schauspieler im Ensemble der Komödie im Bayerischen Hof München sowie durch Fernsehrollen einen Namen machte und sich zuletzt vermehrt der Regiearbeit zuwendet.

Er leitet das zwölfköpfige Ensemble in Bestform zu spritzigem Spiel an, in dem die Pointen sitzen und die Paarbeziehungen aufgemischt werden. Denn Shakespeare hat ja dem Spiel im Spiel eine hintergründig-metaphorische Note beigemischt, durch die unsere zeitlosen Verhaltensmuster um Liebe, Treue und Konventionen auf heitere und parodierende Art hinterfragt werden.

Komödiantisches Vexierspiel

Das komödiantische Vexierspiel wird also ernst genommen, so dass im waldesgrünen Bühnenbild von Sabine Richter der turbulente Reigen um Paare, die zuerst zusammen nicht finden können, um am Ende in losgelöst-heiterer Stimmung den Segen zu bekommen. Elfen, Puck und Zettel nebst skurriler Mimentruppe müssen den netten Kerls Lysander und Demetrius sowie den Maiden ihrer Begierde Hermia und Helena auf die Sprünge helfen. Da erlebt das entspannt und fröhlich mitgehende Premierenpublikum in zweieinhalb Stunden eine heitere Umsetzung, in der auch Wortwitz die Szene ebenso belebt wie der Spott über das allzu Menschliche. Gelegentlich angereichert mit den eher handgeschnitzten Elementen einer unmittelbaren Bühnensprache. Das kommt an, weil es gut gemacht ist, zumal alle Kostüme, für die ebenfalls Martin Böhnlein verantwortlich ist, den Figuren kleidsame Präsenz verleihen.

Und wenn schon Landrat Wilkes in seinem Grußwort den Weltmeister Vettel unterbringt, dann seien an dieser Stelle auch kleine Anleihen aus dem Rennsport erlaubt. Denn eines ist sicher, die Festspiele Heppenheim befinden sich auf der Überholspur, was die Mischung aus anspruchsvollen Stücken und deren Umsetzung ins Volkstheater anbelangt. Das kommt an, zumal das Ambiente im Amtshof stimmt; auch jeder Boxenstopp, sprich Szenenwechsel, läuft mit Präzision, und die Reifen dürfen schon einmal durchdrehen, wenn das Publikum sich vor Vergnügen kaum halten kann. Auch die Boxenluder auf der Bühne wirken schmuck, nur die Textverständlichkeit leidet manchmal unter der überbordenden Spielfreude. Aber verstehen wir alles, was unser "Seb" während des Rennens hastig in sein Helm-Mikro hineingibt?

Entscheidend ist doch der Output: Shakespeare hat die Pole-Position und den ersten Grand Prix der Festspiel-Saison locker nach Hause gefahren.

Von Eckhard Britsch © Mannheimer Morgen, Samstag, 27.07.2013

 

Schein und Sein im Zauberwald

An diesem Abend sind die Handwerker die heimlichen Herrscher. Ein famoser Jux, wie sie mit possierlichem Dilettantismus den Liebestod von Pyramus und Thisbe proben und am Ende eine saftige Parodie auf den klassischen Liebesschwank servieren. Ein Komödchen in der Komödie. Zum Finale blitzt noch einmal all das auf, was in diesem nächtlichen Durcheinander so virtuos variiert wurde: flüchtige Momente der wahren Liebe als Spiel von Täuschungen und Illusionen.

Regisseur Martin Böhnlein wollte in Heppenheim einen Shakespeare inszenieren, wie er ihn selber gerne einmal hätte sehen wollen. Der lange Schlussapplaus wies darauf hin, dass sich die Ansichten des Premierenpublikums mit denen des Spielleiters zu decken schienen. Der Münchner, der erstmals im Kurmainzer Amtshof Regie führte, hat den "Sommernachtstraum" entschlackt, ohne ihm seinen Zauber zu klauen. Er hat das Stück süffiger und verständlicher gemacht und damit den Heppenheimer Festspielen auf die Bühne geschneidert. Denn bei Charakteren wie Demetrius, Hermia oder Lysander setzt durchaus schon ein Fluchtreflex ein bei jenen, die nicht Philosophie oder Theaterwissenschaften gepaukt haben.

Ensemble ohne Stars

Die Ouvertüre zur 40. Saison war eine gelungene. Ein harmonisch aufspielendes Ensemble ohne Stars als solche, eine amüsante Story in der Halbwelt zwischen Sein und Schein und ein durchgängiges Augenzwinkern des Regisseurs, der den Unterhaltungswert der Komödie in den Vordergrund platzierte.

Recht so! Wein und Backwerk vertragen sich nicht mit bleischwerer Theaterkost. Böhnlein hat es geschafft, Shakespeares feine Verschmelzung aus unterschiedlichen dramatischen Grundformen und Sprachstilen, die das innovative Moment dieses im Jahr 1600 veröffentlichten Werks ausmacht, auf das Theater zu bringen. Das Hochzeitsfest von Theseus und Hippolyta bildet den Rahmen und den Knotenpunkt aller Handlungsfäden. Während am Athener Hof menschliche Ratio dominiert, regieren in der Elfenwelt Traum und Fantasie. Doch es ist gerade diese höhere Wirklichkeit, die die Konflikte der Sterblichen löst und sie durch zauberhafte Wirrungen zueinander führt.

Shakespeare pur: Das Bühnengeschehen fächert sich in verschiedene Ansichten auf, in subjektive, perspektivisch-dynamische und zum Teil widersprüchliche Versionen der Ereignisse. Wirklichkeit erweist sich als Schein und Maskerade. Das Lustspiel als Spiegel für die illusionäre Kraft es Theaters. Pucks berühmter Epilog ans Publikum unterstreicht noch den visionären Charakter der Komödie.

In einer anarchischen Welt, die in ihrer Unberechenbarkeit zugleich verlockt und erschreckt, findet die domestizierte Menschheit ein Traumreich, in der Feen und Geister regieren. Dort bricht sich die Liebe ihre Bahn. Ihr verfallen die Zauberwesen genauso wie die langweilig braven Athener. Böhnlein versteht es mit leichter Hand, den prallen Humor dieses "Sommernachtstraums" auf die Spitze zu treiben. Verträumt, verspielt, temporeich und unheimlich komisch zündet ein absurder Reigen um Liebe, Hass, Boshaftigkeit und Zauberei. Der dicke Staub elisabethanischer Erotik - wie weggefegt. Die kompakte Erzähldichte verhindert die szenische Langatmigkeit der Vorlage, die vor 400 Jahren freilich nicht als solche empfunden wurde.

Die Story in 30 Sekunden: Vier allzu menschlich Verliebte flüchten liebesbedingt in den Wald, wo eine Theatergruppe für die Hochzeit von Herzog Theseus den Ovid probt und Elfenkönig Oberon Ehekrieg mit seiner Titanina führt. Um sich an ihr zu rächen, zettelt er mit Hilfe des Erdgeists Puck ein perfides Komplott an: Ein geheimer Liebessaft bewirkt, dass sich Titania in den zum Esel verzauberten Handwerksburschen Zettel verknallt. Die Dinge geraten außer Kontrolle.

Zehn Erstauftritte in Heppenheim

Pucks schusseliger Drogenmissbrauch verwirrt die Herzen im Sekundentakt, es folgt ein aufreibendes erotisches Großkampfmanöver, das Emotionen durcheinanderwirbelt und Leidenschaften in Wallung versetzt. Am Ende verlischt der Zauber und jeder Topf bekommt seinen Deckel, weil Elfenfürst und weltlicher Herzog keinen dauerhaften Ärger mit ihren Weibchen wollen. Die amouröse Katerstimmung mündet in einer beschwipst heiteren Theateraufführung.

Das Heppenheimer Ensemble spielt souverän und rasant. Der Star ist die Mannschaft. Besondere Dribbelkünste beweisen Arzu Ermen als leichtsinniger Kobold Puck mit staunend großen Augen, der als Oberons williger Diener immer wieder Benzin ins Liebesfeuer gießt und dabei einiges verschüttet. Zu den neuen Gesichtern im Amtshof gehört auch Martin Dudeck, der im "Sommernachtstraum" schon vor 30 Jahren (!) in der Rolle des Lysander zu sehen war. Damals in Hannover und 22 Jahre jung. In Heppenheim begeisterte er das Premierenpublikum als naiv liebenswerter Weber Niklaus Zettel, der von Puck in einen Esel verwandelt wird. Im Amtshof offenbarte sich Dudeck als charmanter Vollblutkomödiant und ging als gefeierter Publikumsliebling von der Bühne.

Von zwölf Schauspielern sind zehn erstmals im Hoftheater zu sehen. Die anderen beiden sind Christopher Krieg und Achim Stellwagen, der gleich in drei Rollen zu sehen ist. Als Peter Squenz macht er als Knittelvers anweisender Leiter der kläglichen Schauspieltruppe lachen. Christopher Krieg gefällt als Elfenkönig, der sich am Spiel seines Dieners wechselseitig labt und verzweifelt.

Am Ende kommt noch einmal Puck auf die Bühne. Er bittet die Zuschauer, wenn ihnen das Stück nicht gefallen hat, es als Traum zu betrachten. Wenn es ihnen aber gefallen habe, sollen sie klatschen. Das Heppenheimer Publikum überlegte nicht lange und entschied sich für die zweite Variante.

Von Thomas Tritsch © Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 26.07.2013

 

Eröffnung der Heppenheimer Festspiele mit Shakespeare

Komödie – Zum Auftakt ihrer 40. Saison zeigen die Heppenheimer Festspiele ihre Stärken mit dem „Sommernachtstraum“

So begeistert klang der Applaus schon lange nicht mehr im Kurmainzer Amtshof: Mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ gelingt den Heppenheimer Festspielen ein höchst unterhaltsamer Start in die vierzigste Saison.
 
Der Mann ist Weber von Beruf. Aber eigentlich möchte er nur spielen – das unglückliche Liebespaar Pyramus und Tisbe am liebsten in beiden Rollen, den gefährlichen Löwen und auch noch den Mond, der das Drama bescheint. Auf der Heppenheimer Festspielbühne spielt Martin Dudeck den Maulhelden mit großer Geste in die Herzen des Publikums: ein Mann, der es seinen Freunden schwer macht und der doch ein guter Kerl ist, ein eitler und doch verletzlicher Mensch, der auch in der Rolle des Esels noch Sympathien gewinnt. Und wenn er, nachdem diese Verwandlung überstanden ist, seinen wundersamen Traum am liebsten in eine Ballade fassen würde, ist es eine kleine Lektion über die Tröstungen der Kunst, die jeden Menschen einmal berühren können. In letzter Konsequenz geht es auch bei dieser Gestalt um die Sehnsucht nach Liebe.
 
Handwerker-Theater als Herz der Komödie
Der Weber Zettel ist wahrscheinlich die schönste Rolle in Shakespeares „Sommernachtstraum“, und Martin Dudeck macht etwas daraus. Das Handwerker-Theater im Wald von Athen ist ja auch das Herz dieser Komödie, weshalb der Regisseur Martin Böhnlein es herzhaft spielen lässt. Es ist ein Wunder, dass die Heppenheimer Festspiele in 39 Jahren ihrer Geschichte nie auf dieses Stück gekommen sind. Jetzt ist es ein starker Beginn der vierzigsten Spielzeit im Kurmainzer Amtshof, der zeigt, was diese Festspiele an guter, intelligent gemachter und dabei nicht übertrieben tiefsinniger Unterhaltung bieten können. Die Stimmung bei der Premiere am Mittwoch war glänzend, der Beifall fiel lange aus und so herzlich, wie er an diesem Ort schon längere Zeit nicht mehr geklungen hat.

Dabei gelingen die drei Ebenen des ineinander verflochtenen Spiels unterschiedlich stark. Als Theseus und Hippolyta, die Herrscher von Athen, machen Christopher Krieg und Ulla Wagener eine blassere Figur als in den Rollen des Elfenpaares: Oberon und Titania liefern sich ein pointiertes Duell des vertrauten Zankes, er als Macho im weiten Mantel über bloßer Brust, sie mit raffinierten Spitzen im Kampf eines Paares, das sich aneinander reibt und doch um die Zusammengehörigkeit weiß. Als Waldgeist Puck ist Arzu Ermen eher schelmisch als dämonisch und ein sportlicher Antreiber der Verwirrung, der die Athener Liebespaare erliegen – gegen die selbstbewusst auftrumpfenden Charaktere von Hermia (Lena Tonne) und Helena (Ilena Gwisdella) werden es die recht braven Liebhaber schwer haben, die von Edgar Diel (Lysander) und Julian Bayer (Demetrius) nicht ohne Charme porträtiert werden.

Sie haben Glück, dass ihre Paarbeziehungen am Ende so harmonisch aufgehen. Denn die Liebe kommt, die Liebe geht, steuern lässt sich das nicht, ob nun Elfen im Spiel sind oder die Kraft der Gefühle, die sich vom Verstand gerne mal verabschieden. Das ist die Botschaft dieses Abends, die von Martin Böhnlein unangestrengt transportiert wird. Der Regisseur bringt das Ensemble locker ins Spiel, hat Sinn für sorgsam ausgefeilte Details. Böhnlein selbst hat für eine Textfassung gesorgt, die geschickte Abkürzungen nimmt, und er hat auch die Kostüme entworfen, die das Geschehen an die Gegenwart heranrücken, aber irgendwo im neunzehnten Jahrhundert steckengeblieben sind, der Zeit der großen romantischen Shakespeare-Begeisterung.

Beim Bühnenentwurf ließ sich die Festspielchefin Sabine Richter von den prächtigen Aufklapp-Bilderbüchern inspirieren: So ist eine prachtvoll grüne Waldkulisse entstanden, die auf sympathische Weise altmodisch ausschaut und viel Platz lässt für das temporeiche Körperspiel, das Böhnlein in den Zuschauerraum hinein erweitert.

Auf diese Weise entstehen zweieinhalb Stunden unkomplizierter Unterhaltung, in der man die Begeisterung des Handwerker-Ensembles an dieser Kunst durchaus nachvollziehen mag. An Zettels Seite stehen Sören Messing als Blasebalgflicker Flaut, der ebenso widerwillig wie hinreißend die Rolle der Tisbe herzzerreißend falsettiert, Thomas Stegherr spielt als Kesselflicker Schnauz eine ausdrucksstarke Wand, Cristina Peteanu ist der zarte Löwe im Ensemble, das von dem temperamentvollen Squenz angetrieben wird: Achim Stellwagen spielt den Handwerker, der durch die Kunst wieder zum großen Kind wird. Damit erweist er sich als Kollege des Regisseurs.

Von Johannes Breckner Darmstädter Echo

Nächtliches Treiben im Wald

 

Die Heppenheimer Festspiele gingen mit einer vergnüglichen „Sommernachtstraum“-Premiere in ihre 40. Spielzeit.

Es ist die klassische Komödie schlechthin, das Spiel um Liebe und Leidenschaft mit Geistern und Elfenflug. Man hat in Heppenheim das Publikum vierzig Jahre warten lassen auf Shakespeares „Sommernachtstraum“, hat „Der Widerspenstigen Zähmung“, „Die lustigen Weiber von Windsor“ oder auch „Was ihr wollt“ im Laufe der Zeit diesem vorangestellt.

Nun aber machte sich Regisseur Martin Böhnlein an die spannende Aufgabe, eine den Örtlichkeiten im Kurmainzer Amtshof angemessene Inszenierung zu schaffen. Im Zentrum der Handlung steht natürlich das nächtliche Treiben im dunklen Wald, der den gesamten Bühnen-Hintergrund ausfüllt. Davor wird sparsam ausgestattet - Herzog Theseus und seine Gattin nehmen auf hohen Sesseln Platz, um am Ende dem bizarren Theater der knorrigen Handwerker zuzuschauen. Während diesen und der Rolle des entnervten Stadtbürgers Egeus vor allem komische Momente zukommen, vereinen die Rollen der sich Liebenden die Anmut und Poesie im „Sommernachtstraum“. Als jugendlich-dandyhafte Liebhaber gerieren sich Edgar Diel als Lysander und Julian Bayer als etwas gesetzter wirkender Demetrius. Man kann ihnen die Leidenschaft für die beiden Frauen durchaus abnehmen. Denn Hermia ist mit Lena Tonne ein ebenso herziger wie lebenslustiger Charakter, und Helena erhielt mit Ilena Gwisdalla eine hochgewachsene, markante Darstellerin. Kaum zu glauben, dass diese Erscheinung ständig an Minderwertigkeitskomplexen zu leiden scheint.

Aber vielleicht war es auch nur der Zaubertrank des Elfendieners Puck, der in der Sommernacht einiges auf der Bühne durcheinander wirbelte. Arzu Ermen nahm diese wichtige Rolle mit großer Beweglichkeit und Intensität war - er wurde nicht umsonst am Ende mit dem meisten Beifall bedacht.

Staatsmännische Größe vermittelte der in Heppenheim immer gerne gesehene Christopher Krieg zunächst als Herzog von Athen und - im Traume dann - als Elfenkönig Oberon. Ein Charakter, der am Ende mit sanfter Hand alles ordnen kann. Ulla Wagener verkörperte als Königin der Amazonen das weibliche Pedant. Am Ende gab es großen Beifall, vor allem für die Regie sowie Sabine Richters Bühnenbild und die von Paul Pfeiffer produzierte Musikbegleitung. Ge

Frankfurter Neue Presse vom 26.07.2013
 
 
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